Meine Meinung

Meine Meinung zum Bestellerprinzip bei Kaufimmobilien

Liebe Leserinnen und Leser, in unserer Rubrik „Meine Meinung…“ finden Sie Leserbriefe, Mails und Statements zu jenen Themen, die unsere Branche besonders beschäftigen. Momentan wird das sogenannte Bestellerprinzip für Kaufimmobilien kontrovers diskutiert. Vier Makler aus unterschiedlichen Regionen Deutschlands haben uns verraten, wie sie zum sogenannten Bestellerprinzip für Kaufimmobilien stehen.

Mischen Sie sich ein! Beteiligen Sie sich an der Diskussion. Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften:
redaktion@aiz.digital.

Oliver Kamenisch, Sparkassen-Immobilien-Gesellschaft mbH, Freiburg

Ich bin der Meinung, dass das Bestellerprinzip absolut nichts bringt. Dies ist letztlich nur linke Tasche – rechte Tasche. Das hat auch bei der Einführung für Mietimmobilien schon nicht zum gewünschten Ergebnis geführt. Der Vermieter hat den Eigenanteil der Provisionsrechnung nach Abzug der Steuer einfach auf die Miete umgelegt und auf 2-3 Jahre verteilt. Der Mieter sagt sich nun: „Die Miete ist zwar hoch, dafür keine Provision, die Wohnung nehm ich!“
Sollte das Bestellerprinzip auch bei Kaufimmobilien eingeführt werden, wird sich nix ändern. Der Käufer hat auch weiterhin sein maximales Budget. Nun ohne Provision. Der Makler holt sich die Provision dann eben vom Verkäufer und wird in den nun höheren Verkaufspreis eingepreist. Für den Käufer ändert sich nicht viel. Im Gegenteil: die Kaufnebenkosten, wie Grunderwerbsteuer, erhöhen sich.

 

Patrick Eckes, Eschenauer&Partner Immobilien, Region Mainz/Wiesbaden

Grundgedanke der neuen Regelung ist die Senkung der Kaufnebenkosten, abgezielt auf eine höhere Eigentumsquote. Man stützt sich maßgeblich auf einen Kurzbericht des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln. Dieser Kurzbericht ist schlichtweg fehlerhaft und verzerrend! Größter Fehler ist hierbei die Datengrundlage. Es wurden zur Auswertung lediglich und vor allem ausschließlich Daten des Immobilienscouts24 herangezogen. Im Bericht heißt es „dass im Durchschnitt 59% aller bundesweit vorliegenden Immobilienangebote von Maklern stammen und somit provisioniert sind“. Der Immobilienscout ist aber nicht der Immobilienmarkt! Tatsächlich werden nur max. 50% aller zum Verkauf stehenden Immobilien überhaupt im Immobilienscout angeboten und gehandelt. Die tatsächliche Anzahl der Maklerangebote am Immobilienmarkt liegt also im Gesamten gerade einmal bei rd. 29%. Hier enthalten sind allerdings auch provisionsfreie Angebote für den Käufer, was die Quote weiter senkt.

 

Ursula Kratt, Ursula Kratt Immobilien, Trossingen

Wenn ausschließlich der Verkäufer die Maklerprovision zahlt, dann entsteht für den Käufer ein deutlicher Nachteil. Denn wir Makler dürften dann nur noch die Interessen des Verkäufers vertreten und nicht, wie der Käufer von uns erwartet, auch seine Interessen. Wenn diese Regelung kommen sollte, werden die Verkäufer die Maklerprovision – soweit der Markt das hergibt – sicherlich in den Kaufpreis einpreisen. Gewinner wären in dieser Situation ausschließlich die Bundesländer. Denn durch die eingepreiste Maklerprovision würden höhere Kaufpreise entstehen und damit würden auch die Einnahmen mit der Grunderwerbssteuer steigen steigen. Die betragen je nach Bundesland zwischen 3,5 und 6,5 Prozent.

 

Claus Falkenberg, Riker Wohnbau + Immobilien, Schorndorf

Wir arbeiten seit 36 Jahren mit der geteilten Provision für Käufer und Verkäufer, was sehr gut funktioniert. Als das Bestellerprinzip für Mietimmobilien vor ein paar Jahren eingeführt wurde, hat das zu einem totalen Zusammenbruch des Mietpreises geführt. Wir mussten beide Mitarbeiter, die für die Vermietung zuständig waren, entlassen. Ähnliches befürchten wir, sollte das Bestellerprinzip auch für Kaufimmobilien eingeführt werden. Deshalb können wir nur dringend davor warnen, hier eine katastrophale Auswirkung in Kauf zu nehmen, ohne dass es für irgendwen einen Vorteil hat.

 

Meine Meinung zum Bestellerprinzip bei Kaufimmobilien

  • Dez 13, 2018
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Liebe Leserinnen und Leser, in unserer neuen Rubrik „Meine Meinung…“ finden Sie zukünftig Leserbriefe, Mails und Statements — auch aus Sozialen Medien — zu jenen Themen, die unsere Branche besonders beschäftigen. Momentan wird das Bestellerprinzip für Kaufimmobilien kontrovers diskutiert. Vier Makler aus unterschiedlichen Regionen Deutschlands haben uns verraten, wie sie zum Bestellerprinzip stehen.

Auch in der nächsten Ausgabe wollen wir dieses Thema mit Ihnen diskutieren.

Mischen Sie sich ein! Beteiligen Sie sich an der Diskussion. Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften:
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Mirko Kaminski, Arthax Immobilien, Hannover

„…denn sie wissen nicht, was sie tun“

Schon das letzte Bestellerprinzip brachte keinen neuen Wohnraum, sondern verteuerte die Preise. Eine geplante Verlagerung des Maklerhonorars auf Verkäufer führt zu einer indirekten Grunderwerbsteuerhöhung, die der Käufer wieder mit dem Kaufpreis bezahlt. Unserer Politik fehlt es einfach an Nachhaltigkeit: Während in Ballungszentren Wohnraum immer stärker nachgefragt wird, boomt der Leerstand auf dem Land. Weniger Regeln schaffen Vertrauen und stärken das Miteinander. Neubauten machen Platz im Bestand und decken die Nachfrage. Und bezahlbare Mieten erreicht man nur mit angemessenen Löhnen. Aber dafür gibt es ja die Mietpreisbremse…

 

Regina Burchardt, Burchardt Immobilien, Berlin

Das Bestellerprinzip lässt Käufer im Regen stehen und machts teurer. Sündenböcke zu benennen ist leicht, eine differenzierte Betrachtung und neue Antworten sind wünschenswert, denn: „Wer immer dieselben Fragen stellt und auf andere Antworten hofft, ist verrückt.“ sagte schon Einstein. Also fragen wir doch mal: 30.000 neue Wohnungen sind bis 2021 allein in Berlin geplant, wer baut die? Gibt es eine Ausbildungsinitiative für Handwerker? Wohin kann gebaut werden? Wie Wohnungstausch, Erbbaupacht, Dachaufstockung (1,5 Mio. Whg. sind lt. TU Darmstadt damit möglich), Barrierefreiheit und Nahverdichtung schneller voranbringen? Kann stadtnahes Land bevölkert werden, z. B. mit ÖPNV, schnellem Internet, Kitas, Schulen? Wieviel Quadratmeter braucht jeder zum Leben? Liebe Politik, gibt es bessere Antworten auf Kostenspirale und Wohnraummangel als dieses Bestellerprinzip, dann finde sie! Leitplanken gegen unverantwortliche Immobilienspekulationen baut man so nicht.

 

Dirk Wullkopf, Wullkopf & Eckelmann Immobilien, Hamburg

Das Bestellerprinzip und vor allem die kolportierte Deckelung der Courtage auf 2 Prozent werden eine echte Herausforderung. Und unabhängig davon, ob das alles richtig oder falsch ist: Wirklich schwierig finde ich, dass wir gerade eine kommunikative Chance verpassen! Wir Makler hätten jetzt einer breiten Öffentlichkeit transparent Inhalte und Nutzen unserer Serviceleistungen darlegen können. Stattdessen werden Argumente lanciert, bei denen die Öffentlichkeit zurecht müde abwinkt. Dennoch zweifeln wir im Team keine Sekunde daran, dass wir auch künftig die Kunden von unserem Service überzeugen können. Wir glauben auch nicht, dass sich durch die Einführung des Bestellerprinzips unsere Auftragslage groß ändern wird. Aber die Umsätze werden leiden. Und das betrifft dann nicht nur unsere Branche, sondern natürlich auch andere. Wenn die Immobilienbranche weniger verdient, merken das z. B. auch Werbeunternehmen und Verlage. Ich weiß nicht, inwiefern das alles als Ergebnis des Wohngipfels dazu beitragen soll, eine sicherlich notwendige Wohnraumoffensive zu befeuern.

 

Sebastian Hirn, Hirn Immobilien, Ulm

Wir haben kein Problem mit dem Bestellerprinzip. Seit 2016 verkaufen wir ca. 85% unserer Gebraucht-Immobilien für den Käufer provisionsfrei. Dies ist unserer Meinung nach ein fairer Verkauf und wird so auch von den Verkäufern, mit denen wir zusammen arbeiten, akzeptiert. Womit wir auf keinen Fall leben möchten, ist die Einschränkung der Provisionsfreiheit in der Höhe. Der Vorschlag der Grünen wäre unserer Meinung nach ein sehr starker Eingriff in die Preisgestaltung und die freie Marktwirtschaft. Sollte dies als Gesetz festgelegt werden, müssten wir mit Sicherheit Personal entlassen und unsere Prozesse noch weiter digitalisieren, um Personalkosten zu sparen. Bisher kostenlose Serviceleistungen würden dann als separate Leistungen verkauft. Dies wäre ein starker Nachteil für die Käufer und Verkäufer und würde auch keine Kostenersparnis für die Käufer bringen. Eins ist aber ganz klar: Das Bestellerprinzip wird sicherlich nicht dazu führen, dass die Nebenkosten beim Immobilienkauf erheblich günstiger werden!